Christliche Kirche in und um Schwerin
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09.03.2010

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[img] Gedanken zur Woche vom 07.03.2010 - Kehr-Wochen

In vier Wochen ist Ostern. Nun ist es hoffentlich bald vorbei mit Frost und Schnee. So schön die weiße Pracht war, sie war eine Herausforderung für alle. Sicher auch deshalb, weil wir im Umgang damit nicht mehr geübt waren. Gut war der dran, der jeden Tag vor seiner eigenen Tür gekehrt hat. Wo das nicht geschah, war der Schnee bald so fest, dass er zu einer Gefahr für Leib und Leben wurde. Gut auch, wer sich nicht daran ärgerte, wenn sein Nachbar den Schnee einfach liegen ließ und sich daran kein schlechtes Beispiel nahm.

Die Zeit vor Ostern ist für viele Fastenzeit. Eine gute Übung das Leben zu überdenken, den Alltag zu unterbrechen, Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls zu ändern, damit sie nicht zur Gefahr für unser Leben werden. Jeder für sich, auch wenn der Nachbar nicht mitmacht. Das kann lebenswichtig sein.

Jesus erzählt die Geschichte von einem Pharisäer und einem Zöllner, der eine rechtschaffend, der andere mit einem problematischen Lebenswandel. Beide bedenken ihr Leben. Der Pharisäer ist mit sich im Reinen und fühlt sich dem Zöllner in jeder Weise überlegen. Der Zöllner weiß, er muss viel ändern, um richtig zu leben.

Jesus setzt den ins Recht, der vor seiner eigenen Tür kehrt. Mögen alle unsere Fastenübungen in diesen Wochen dazu beitragen. Es könnte wärmer werden im Miteinander.

 

Propst Holger Marquardt (58) ist Pastor der Schloßkirchengemeinde Schwerin


Gedanken zur Woche vom 31.01.2010 - Schnee von gestern

Ein richtiger Winter mit viel Schnee und ein schönes weißes Wochenende. Schön nicht unbedingt für die, die unterwegs sein müssen. Auch nicht gerade angenehm für die, die Straßen und Weichen zu räumen haben. Aber für die Kinder allemal.

Abenteuerliches, schöpferisches Spielen sogar! Ich sehe nicht recht, da bauen zwei kleine Kinder von dem mühsam geschippten Schneehaufen mitten auf dem Bürgersteig eine weiße Wand. „Baut ihr hier eine Schneehöhle?“, frage ich sie. „Nein, einen Iglu!“, antworten sie fachkundig. In dem Moment kommt eine Frau mit einem Kinderwagen auf dem ohnehin schmalen Gehweg uns entgegen. „Sie kommen hier gewiß mit dem Kinderwagen durch“, sagen die Kinder und weisen auf den eigens dazu gebauten kleinen Umweg.

Ich gehe ein paar Schritte weiter und bleibe in einer kleinen Ausbuchtung stehen, weil mir auf dem schmalen Weg ein junger Mann entgegenkommt. „Danke!“, sagt er beim Passieren des Engpasses ganz höflich und unerwartet. Und während ich mich wieder einfädele und weiter gehe denke ich: Tolles Winterwetter. Der Schnee entschleunigt viele Menschen. Sie nehmen nicht nur die Straßenbeschaffenheit besser wahr, sondern auch die anderen Passanten. Und dabei sind sie sogar phantasievoll, Rücksicht nehmend und höflich .Gar nicht so schlecht, was die äußeren winterlichen Umstände an innerer Wärme loseisen.

Von dieser Art brauchen wir alle wieder viel mehr: Aufeinander achten und voreinander Achtung haben, Höflichkeit und Rücksichtnahme. Das ist keinesfalls Schnee von gestern. Das hat durchaus etwas mit Nächstenliebe zu tun. „Lasset uns aufeinander achthaben, uns anzureizen zur Liebe und guten Werken“, steht schon in der Bibel. Und eine schöpferische Fähigkeit gilt es zu entdecken, aus den manchmal widrigen Umständen das Beste zu machen.

Und als ich endlich an meinem Schnee schippenden Nachbarn vorbei komme, frage ich ihn, ob er von der großen Menge heute preisgünstig verkaufe. „Ja, gerne“, sagt er lachend, „aber heute nur für Selbstabholer!“

 

Von: Lutz Jastram, Pastor der Bernogemeinde Schwerin


Gedanken zur Woche vom 24.01.2010 - Kyrie eleison - Haiti

Noch klingt mir die wunderbare Messe H-Moll von Johann Sebastian Bach in den Ohren. In der Schweriner Paulskirche habe ich sie gerade gehört. Am Anfang gleich das unzählige mal wiederholte und variierte Kyrie eleison – Herr erbarme dich. Uralt, griechisch, seit den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche ist es in jedem Gottesdienst Anrufung, Gebet und Fürbitte. Ich sitze in der feierlichen Messe mit vielen hörenden und mitfeiernden Menschen.

Meine Gedanken aber schweifen in die Ferne, da, wo es jetzt viel wärmer und schlimmer ist. Meine Gedanken sind in Haiti. In der Kirche ist für die Notleidenden ein Opferstock aufgestellt. Und ich frage mich, was sich Menschen immer wieder fragen, wenn eine schreckliche Katastrophe geschehen ist: Hat Gott kein Erbarmen gehabt? Warum ist das passiert? Strafe Gottes etwa, wie fundamentalistische amerikanische Fernsehprediger schnell antworten?

Es gibt keine Antwort auf diese Fragen. Ich weiß nur, Gott ist auch da, wo Leiden und Tod ist. Am Leben und Sterben Jesu wird mir das deutlich. Darauf vertraue ich. Und wenn es auch keine Antwort auf dieses schreckliche Geschehen gibt, so gibt es dennoch immer etwas zu tun. Was?

Helfen, da sein. Viele Menschen aus aller Welt haben sich mit medizinischen und technischen Hilfsausrüstungen auf den Weg gemacht. Gott sei Dank! Ich kann das unterstützen und meine Spende dazu geben. Und beten werde ich: Kyrie eleison – Herr erbarme dich und gib den Betroffenen und den Helfern Mut und Kraft. Ich weiß, dass Gebete eine starke Kraftquelle sind. Wer betet stärkt Bewußtsein und Verantwortung. Wer betet ändert sich selbst, der tut was für sich und andere! Ich werde selbst Kraft und Mut brauchen, wenn demnächst ein Mensch in Schwerin meinen Weg kreuzt, auf dessen Schicksal ich keine Antwort habe.

 

Von: Lutz Jastram (61), Pastor in der Bernogemeinde in Schwerin.


Gedanken zur Woche vom 17.01.10 - Gnadengaben

„Mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine Frau, meine Kinder.“ Mit stolzgeschwellter Brust legt da einer ein Foto nach dem anderen auf den Tresen. Neben ihm sitzt ein alter Schulkamerad, den er nach Jahre zufällig getroffen hat. Dieser lächelt nur müde und zieht beiläufig seine Bilder aus der Tasche: „Meine Villa, mein Sportwagen, meine Jacht, meine …“- alles klar, diese Runde geht an ihn. Er ist der gemachte Mann. Er ist der Größte. So war es wahrscheinlich schon damals in der Schule und ist es heute erst recht. Gnädig gibt er noch einen Whiskey auf die alten Zeiten aus. Dann klingelt das Handy und er muss sich wieder seinen Geschäften widmen. So oder ähnlich stellen wir uns Erfolg im Leben vor. Irgendwie will doch jeder mal so richtig groß rauskommen. Jeder hat die Chance dazu – gaukelt uns die Werbung vor. Aber wodurch erlangt ein Mensch wahre Größe? Muss er Theologie, Philosophie und Medizin studieren? Muss er dazu auch noch Orgel spielen können? Muss er sich selbstlos für andere Menschen einsetzen? Das alles trifft auf den wahrhaft großen Menschen Albert Schweitzer zu. Er war Intellektueller, Künstler und Politiker, aber seine Größe erlangte er durch etwas Anderes. Er hat Bücher geschrieben, die aus Theologie- und Musikgeschichte nicht mehr wegzudenken sind. Unermüdlich hat er sich für seine Klinik in Afrika eingesetzt. Kompromisslos hat er sich im Sinne der Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ gegen Waffen eingesetzt. Aber auch das Alles macht ihn noch nicht zu einem wahrhaft großen Menschen. Seine Größe besteht darin, dass er sein Tun immer in Relation gesetzt hat zu etwas noch Größerem – nämlich zu Gott. Das ist die Kraft aus der wahre Größe, wirklicher Reichtum, geboren wird. Ein Vers aus Albert Schweitzers Lieblingslied lautet: „Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und als Vermögen in uns reichlich vermehr.“

 

Von: Ralf Schlenker (41), Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 10.01.2010 - Mehr Fantasie

Wenn es Stress gibt zwischen Kindern an der Bertolt Brecht Schule, wird nicht automatisch mit einer Schulstrafe reagiert. Es werden die Schlichter gerufen. Das sind Schülerinnen und Schüler, die in Mediation und Konfliktmanagement ausgebildet sind. Sie holen die Beteiligten an einen Tisch, führen je nach Situation Einzelgespräche und bereiten Verträge vor. Die Einhaltung der Verträge wird über bestimmte Zeiträume begleitet und kontrolliert. Nach meinem Eindruck wirkt das langfristiger, als wenn ich als Lehrer eben mal die „Keule“ Tadel oder Verweis aus der Tasche ziehe. Was mich beeindruckt ist: Die Kinder lernen auf diese Weise, dass Konflikte auf andere – auf friedliche - Art nämlich durch Gespräche, durch Vertrauen und Verzeihen gelöst werden können. So wird im christlichen Sinne Versöhnung und damit Friede geübt und ermöglicht.

Ich kann schwer damit umgehen, wenn mir Jugendliche in der 9. Klasse sagen, dass sie zur Bundeswehr gehen. Nicht die Sache an sich stelle ich in Frage. Mir bereiten die Beweggründe der Jugendlichen Kopfzerbrechen: „Fester Job“ und „Gutes Geld“. Ist das Motivation genug, um in Afghanistan Dienst zu tun?

Heute trifft sich die Ratsvorsitzeden der Evangelische Kirche in Deutschland Margot Käßmann mit Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg, um mit ihm über ihre Kritik am Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zu sprechen. Ich finde gut, dass die Dinge jetzt endlich beim Namen genannt werden. Und ich finde besonders gut, dass eine Predigt diese Diskussion ausgelöst hat. Frau Käßmann verschafft sich Gehör in dem sie sagt: „Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen. Das kann manchmal mehr bewirken als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen. Vor gut zwanzig Jahren haben viele Menschen die Kerzen und Gebete auch hier … belächelt…“

 

-> Predigt unter: www.ekd.de/predigten/kaessmann/100101_kaessmann_neujahrspredigt.html

 

Von: Ralf Schlenker (41), Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 4. Januar 2010 - Keine Angst

Im Religionsunterricht der 5. Klasse reichten wir einen kleinen Bronzeengel von Hand zu Hand und jeder durfte eine Engels - Geschichte erzählen. Zunächst taten sich die Kinder schwer damit, aber dann sprudelte es nur so aus ihnen heraus. Ich hörte von Beinahe – Unfällen, bei denen ein Schutzengel die Finger mit im Spiel hatte. Ich hörte von kranken Angehörigen, die Gott sei Dank wieder gesund wurden. Und ich hörte von Momenten der Angst: Wenn sie alleine im Finstern sind, wenn eine dunkle Ahnung sie überfällt, wenn sie bedroht oder geschlagen werden.

Spontan fragte ich: „Kinder, ihr erzählt so viel. Hört euch sonst niemand zu.“ „Nein“, war die erschütternde Antwort, „niemand hat Zeit für uns. Die Eltern sind immer nur in Hektik. Und so wirklich interessiert es sie auch nicht.“

Ich denke, wir Älteren haben da eine große Verantwortung. Wir müssen uns mehr Zeit für die Kinder nehmen. Da meine ich nicht nur die eigenen Kinder oder Enkelkinder. Ich meine auch den frechen Bengel von nebenan oder das bunt gefärbte Punk – Mädchen in der Straßenbahn. Wie anders sollen diese Menschenkinder einen Eindruck davon bekommen, was es bedeutet, wenn Jesus uns zusagt: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ als dadurch, dass wir es ihnen vorleben. Diese Jahreslosung aus dem Johannesevangelium bringt es auf den Punkt: Gott ist unserer aller Vater und hat immer Zeit für uns. Er hat ein offenes Ohr für unsere Sorgen und Ängste. Im Gebet können wir ihn bitten, dass er uns mit seinen Engeln beistehen möge. Mit dieser Gewissheit gehen wir mutig durch die Zeit und getröstet in dieses neue Jahr.

 

Von: Ralf Schlenker (41), Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 19.07.09 - Weißt du wieviel Sternlein stehen?

Von Propst Holger Marquardt*

 

Große Ferien. Endlich! Wohl die schönste Zeit des Jahres. Ausschlafen und nur noch tun, wozu man Lust hat. Niemand will etwas von mir.

Ferien sind aber auch die Zeit der Aufbrüche und Abschiede. Die Kindergartenzeit geht zu Ende, die Schule beginnt. Wer stolz sein letztes Zeugnis in Empfang nimmt, fragt sich wie es weitergeht. Oder das Abenteuer einer weiten Urlaubsreise lockt mit all ihren Unwägbarkeiten. In die Freude über bestandene Prüfungen und die Vorfreude auf das Neue, mischt sich oft auch ein wenig Furcht vor dem Ungewissen. Das beschleicht vor allem diejenigen, die zurückbleiben oder jemanden loslassen müssen; besonders dann, wenn unsere Kinder ihren eigenen Weg gehen.

Können wir etwas gegen diese Angst tun?

Neulich spielte ein Großvater den Kindern einer Abschlussklasse aus der Grundschule das Lied „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ auf der Trompete in der Schweriner Schlosskirche vor. Die Kirche hat einen gemalten Sternenhimmel in ihrem Deckengewölbe und gezählt sind sie auch: 8758! Aber dieses Kinderlied ist nicht als Quizaufgabe für die Schüler gedacht gewesen. Es ist Ausdruck des Vertrauens auf Gott, der unsere Wege geleitet, der uns nahe ist und bleibt bei unseren Aufbrüchen und Abschieden.

Vielleicht stehen Sie in diesen Sommertagen unter einem Sternenhimmel irgendwo und staunen und Ihnen kommt möglicherweise die Frage: „Die soll Gott alle in seiner Hand halten und sie gezählt haben?“ Der Glaubende sagt: Ja und ist getröstet.

 

* Propst Holger Marquardt (58) ist Pastor der Schloßkirchengemeinde Schwerins


Gedanken zur Woche vom 12.07.09 - Oh Schreck!

Von Ralf Schlenker*

 

Ich stelle mir vor, da kommt einer des Weges und sagt zu den Bauarbeitern am Straßenrand: „Folgt mir!“ Sie stellen Schaufel und Presslufthammer an die Seite und gehen mit ihm. Die Hausfrau stellt den Wäschekorb beiseite, der Mann im Büro klappt das Laptop zu und der Busfahrer steigt einfach aus. Andere schauen verdutzt. Oh Schreck, was ist hier los? Sie können nicht begreifen, was da vor sich geht. Eigentlich begreifen auch die, die mitgehen nicht so recht, was gerade mit ihnen passiert. Welche Kraft geht von diesem Menschen aus?

Die Bibel berichtet, dass Jesus seine ersten Begleiter auf diese Art gewann. Als Gottes Sohn mag er eine besondere Ausstrahlung gehabt haben. Vor allem verstand er es aber, so zu den Menschen zu sprechen, dass sie Hoffnung schöpften und Freude empfanden. Zudem ließ er seinen Worten Taten folgen. Das überzeugte auch machen Zweifler. Simon Petrus, der Fischer, tat zwar was Jesus sagte, aber er glaubte ihm nicht. Erst als sich das Versprechen erfüllte, nämlich seine Netze den großen Fang kaum halten konnten, bekam er einen Schreck. Da ging es ihm durch und durch. Jesus sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht! Ich habe eine neue Aufgabe für dich!“

Die Nachfolger Jesu haben erkannt: Veränderung ist möglich. Im Glauben entdecken sie die die Fülle des Lebens und wissen sich in Gottes Liebe bewahrt.

 

* Ralf Schlenker (40) ist Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 05. Juli 2009 - Kreuzgefährlich

Von Ralf Schlenker*

 

In der Pause kam ein Schüler gezielt auf mich zu und sprach mich an: „Herr Schlenker, Sie sind doch Pastor. Sie wissen doch bestimmt einen Bibelspruch, den wir in ein Kreuz gravieren lassen können. Mein Onkel wird im Herbst nach Afghanistan gehen. Wir wollen es ihm mitgeben. Es soll ein Überraschung sein.“

Wir kamen ins Gespräch über diese Idee, über die Ängste um den Angehörigen und die Hoffnung, die mit dem Segen verbunden ist. „Sicher werden wir einen passenden Spruch finden“, sagte ich, „aber was hältst Du davon, wenn Ihr gemeinsam in den Gottesdienst kommt und ich Deinem Onkel den Segen Gottes persönlich zuspreche.“ Es klingelte. „Meine Mutter wird sie anrufen.“ „Okay!“

Plötzlich kam mir der Krieg in Afghanistan ganz nahe. Ein Soldat entscheidet sich, sein Leben für eine sichere Welt zu riskieren und gegebenenfalls selbst zu töten. Wie gefährlich es ist, zeigen uns die 35 Gefallenen, die vielen Verwundeten und die ungezählten Traumatisierten. Auch wenn ich nicht glaube, dass Kriege Frieden schaffen können, muss ich akzeptieren, dass sie vielleicht für den Moment ein noch größeres Übel verhindern können. Versöhnung ist der Gedanke, für den Jesus am Kreuz sterben musste. Die Gefahr bleibt also – sowohl für den, der Versöhnung wagt, wie für den, der in den Kampf zieht.

Der Segen Gottes begleitet beide. Er ist keine frommes Beiwerk oder eine Lebensversicherung. Er dient auch nicht dazu, die Kampfbereitschaft sicher zu stellen.

Der Segen gilt einzig der Seele des Menschen. Er ist ein spürbares, stärkendes Zeichen der Verbundenheit Gottes mit uns.

 

* Ralf Schlenker (40) ist Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 29.06.09 - Gefundene Söhne

von Ralf Schlenker*

 

„Du musst dir vorstellen, es ist ein Walfisch. Dann drückst du ihm nicht auf die Nase, sondern oben auf die Stirn. Ganz leicht kannst du dann die Schote öffnen und die Erbsen mit dem Daumen heraus streifen.“ Geduldig übte mein Sohn, bis er nach der vierten Schote sagte: „Jetzt kann ich es!“ Gemeinsam hatten wir zuvor Möhren gezogen und einen Korb voll Frühkartoffeln aus der Erde gewühlt.

Es ist jedes Jahr eine Freude, die selbst geernteten Früchte aus dem Garten zu genießen.

Als ich meinen Sohn dabei beobachtete, wie er sich mit den Schoten mühte, ging mir so einiges durch den Kopf. Täglich treffe ich in der Schule Söhne, die verloren sind. Sie bekommen den Schulabschluss nicht hin, finden keinen Job, nehmen Drogen oder trinken Alkohol bis zum Umfallen. Natürlich wünsche ich mir, dass aus meinem Sohn mal etwas wird. Er muss nicht berühmt werden wie der „King of Pop“ – aber stolz wäre ich schon.

Soll ich mir den Kopf mit Sorgen zermartern und angesichts der gesellschaftlichen Umstände resignieren? Mein Glaube stellt diese Gedanken in einen größeren Zusammenhang. Gott schenkt den Menschen eine große Freiheit. Diese Freiheit gründet in der Liebe unseres Schöpfers. So wie er die Früchte des Gartens gedeihen lässt, sollen auch die Kinder gedeihen. Und die, die einen Fehler gemacht haben, bekommen eine zweite Chance. Die, die verloren scheinen, sind längst von Gott gefunden. Öffnen sie ihr Herz für Gottes Liebe, werden sie neu Orientierung finden.

Ich bitte Gott darum, mir die Kraft für solche bedingungslose Liebe zu geben. Dann wird mein Kopf frei für die Aufgaben einer verantwortungsvollen Erziehung. Gut, wenn die Kinder mich durch viel Lärm immer wieder daran erinnern.

 

* Ralf Schlenker (40) ist Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht in Schwerin


Gedanken zur Woche vom 20.04.2009

Von meinem Fenster aus sehe ich den Sonnenaufgang. Das frische Grün der Bäume wird durchflutet von goldenen Strahlen. Darüber hellblauer Himmel. Nur die Vögel sind zu hören. An diesem Sonntagmorgen genieße ich die Ruhe. Die Sonne wärmt mich und macht alles hell. Gestern war ich am Meer. Ich höre noch das Rauschen der Wellen und das Knirschen des Sandes unter meinen Füßen. Unbändig wurde unser Drachen durch den Wind gewirbelt. Urkräfte der Natur denen wir uns hingeben. Sie sprechen zu uns wie Bruder und Schwester. Sie wollen uns wieder ins Lot bringen. Seelenbalsam wollen sie sein. Die See und die Seele sind Verwandte. Die Natur zeigt uns, dass wir wachsen sollen. Jeder Krise und jeder Depression zum Trotz. Knospen springen auf, Keime sprießen und Samen erwachen zu neuem Leben. Krankheit und Tod können uns dann nicht mehr schrecken.

 

All das hat Franz von Assisi schon vor 700 Jahren in seinem Sonnengesang so wunderbar beschrieben. Zu unseren Geschwistern macht er Sonne, Mond und Sterne. Wind, Wasser, Erde und Feuer sind unsere Begleiter. Doch eins vergisst er nie: Sein Lob auf den Schöpfer. Jede Strophe beginnt: „Gelobet seiest Du mein Herr!“.

 

Dessen sollten wir uns bewusst sein, wenn wir über die BUGA spazieren.

 

Inspiriert von Franziskus‘ Sonnengesang wurde eigens ein Lied für die Kirche am Ufer komponiert. Stimmen Sie ein!

 

www.kirche-am-ufer.de

 

 

Von: Ralf Schlenker (40), Pastor z.A. in der Bernogemeinde und Religionslehrer an der IGS B. Brecht


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